modul|a|t|o|r
 
(...) Eine Batterie an Monitoren, Mischpulten und Computern besetzt eine mittlere Reihe in der Neuen Aula der FolkwangHochschule, wo "Modul/a/t/o/r" nun zur Eröffnung des internationalen Festivals "November Musik/Ex Machina" uraufgeführt wurde. Von dieser Mittelreihe aus wird die intelligente Bühne gesteuert, die gemäß dem Grundsatz Le Corbusiers funktioniert: "Der Mensch ist das Maß aller Dinge." Zum Leben erweckt der Tänzer das mit nicht sichtbaren Sensoren ausgestattete Instrument Bühne. Sobald Hironori Sugata asymmetrische Figuren tanzt, tritt er in einen Dialog mit seiner Umgebung, erklingt mit jedem Schritt ein Geräusch. Ein unangenehmes, als schlüge jemand mit der Hand vor ein Mikrofon. Je intensiver die Bewegung, desto lauter, dumpfer der Ton. Die filigranen Sprünge, das leise Aufkommen produzieren zarte Klänge, ähnlich dem Zupfen einer Gitarrensaite. (...)
Sugata bewegt langsam einen Arm nach vorne und erzeugt damit ein Geräusch wie eine Herbstbrise ? Musik für den Körper! (...)
Die Theorien des Architekten hat Regisseur Lensing in den unterhaltsameren Passagen des 90-minütigen Stückes zwischengeschaltet. Satirisch jagt Fernandez wie ein zahlensüchtiger Woody Allen durch fragwürdige Normen. Die Tänzerkörper formen dazu Stühle, Liegen und andere Möbelstücke ? da endlich mit Sinn und Sinnlichkeit.

Süddeutsche Zeitung
 
 
(...) Mit ein bisschen Augenzwinkern ist von menschlichen Proportionen, Kleider- und Wohnwabengrößen, Sitzmöbeln und Einrichtungsgegenständen, von Zahlengrößen, -spekulationen, und -mystik von geometrischen Formen, die im Körper stecken, die Rede. Denn in diesem Tanztheaterstück werden Vorträge gehalten, wird vermessen, vom kleinen Finger bis zur Nabelhöhe. Aber es wird auch heftig und deftig getanzt, kraftvoll, brutal, mit Stiefeln an den Füßen.
Und das nicht ohne Grund. Denn der Bühnenboden ist per Mikro sensibilisiert, die Luft auch. Kurzum: Wenn die Tänzer Arme und Beine schwungvoll werfen, ihre Körper per Salto oder Drehung in die Luft katapultieren, sich übereinander schmeißen ? und das alles mit unbeweglichem Gesicht ?, dann kracht es.
Dann ertönen Gongs oder sonst irgendwelche Geräusche; dann tut sich etwas auf der Leinwand: Entweder sieht man dort überlebensgroß, verzerrt menschliche Proportionen, ? oder faszinierende Bewegungsspuren, ? oder ineinander verschachtelte Formen.
Für die Musik war in diesem Stück Thomas Neuhaus zuständig, der mit dem Klangmaterial der Tänzer arbeitete und daraus Rhythmen und Klangcluster per Computer schuf. Ein sehenswertes Theater, frech und experimentierlustig, eine Spur zu lang allerdings. Wieder einmal begeisterter Applaus.

NRZ
 
 
(...) Bühnenboden und Bühnenraum sind total verkabelt. Die Geräusche der Tänzer werden per Computer kunstvoll von Thomas Neuhaus in Klangcluster und Rhythmen umgesetzt, die aus allen Ecken dem Zuschauer und -hörer entgegentönen. Lensing, der mit seinem Ensemble zwischen Mittelalter, Bauhaus und der Technik des 21. Jahrhunderts pendelt, ist wieder einmal ein verrückt fantastisches und freches Theaterstück gelungen.

WAZ
 
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  25 years THEATER DER KLÄNGE